Neugestaltung des ZOB Oberhof

Gladbeck

Die Aufgabenstellung wird bestimmt durch die beiden Schwerpunktthemen

  • Überwindung der Trennung zwischen Stadtmitte und der Oststadt
  • Neuordnung der Verkehrsanlagen um den Zentralen Omnibus-Bahnhof

Aufgrund der erhöhten Aufmerksamkeitsanforderungen an die Fußgänger und die motorisierten Verkehrsteilnehmer und der damit verbundenen Risiken halten es die Verfasser für richtig, die beiden Aufgabenschwerpunkte funktional zu trennen. Die Bewegungszonen von Fußgängerüberweg und Busverkehr sollten sich so wenig wie möglich überlagern. Der neue ebenengleiche Übergang zur Oststadt liegt daher im Baufeld des verfüllten Oberhoftunnels, der neue ZOB schließt –funktional getrennt- südlich davon an der Grabenstrasse bis zur Einmündung der Bachstrasse an. Die Gestaltung der beiden Bereiche soll das Entree zur Gladbecker Innenstadt zu einem neuen, attraktiven, sicheren und unverwechselbaren Erscheinungsbild entwickeln.

Fußgängerüberweg und angrenzende Bereiche

Der Übergang erfolgt ebenengleich auf robusten graufarbigen Betonplatten, die in Bändern verlegt werden. Links und rechts der Bahntrasse weitet er sich auf. Beidseitig der Bahntrasse befindet sich je eine Schrankenanlage. Die platzartigen Aufweitungen am Übergang sind seitlich zum Bahnsteig mit Hecken eingefasst. Hier kann man verweilen, den Jugendlichen beim Spiel zuschauen, im nahe liegendem Biergarten einkehren oder den Bahnsteig erreichen. Aus dem reinen Querungsvorgang wird so ein abwechslungsreicher und visuell anregender Übergang . Östlich der Bahntrasse schließen in südlicher Richtung an die Passage die neuen Spiel- und Aktionsflächen an. In dem langgezogenen grünen Band werden die erhaltenswerten Solitärbäume der heutigen Brachfläche in eine neue regelmäßige Baumstellung integriert. Unter den Bäumen können Spiel- und Freizeitflächen für Jugendliche und Eltern mit Kindern entstehen. Basketballplatz und Boulefeld liegen am Fuß- und Radweg und werten die ehemalige Brache gestalterisch und funktional auf. In nördlicher Richtung werden bis unter die Brücke ca. 50 weitere Park + Ride-Möglichkeiten angeboten. Auf der Westseite des Übergangs leitet eine einfassende halbhohe Mauer mit einer Rampe auf den Bahnsteig. Eine ruhige und regelmäßige Baumreihe trennt den Bahnsteig von der Grabenstraße. Die westliche Begrenzung der Grabenstraße nimmt die heutige Bordlinie auf. Der Straßenquerschitt wird allerdings auf das erforderliche Maß von 6,50 m reduziert. Dadurch entsteht eine zusätzliche, 3m breite Trasse, auf der in linearer Anordnung Taxenstellplätze, Kiss + Ride Stellplätze und eine optionale Haltestelle für Sonderbusse vorgesehen sind. Am südlichen Ende des Bahnsteigs befindet sich das neue Mobilitäts-Center mit Car-Sharing, E- Tankstelle und Radservice.

Zentraler Omnibusbahnhof ZOB mit Oberhofplatz

Für die ganze Fläche zwischen der Wohnbebauung westlich der verfüllten Tiefgarage und der Grabenstrasse wird ein integratives Gesamtkonzept vorgeschlagen. Der gesamte Bereich soll als Entree zur Innenstadt wie aus einem Guss erscheinen und als städtischer Grünraum zum Verweilen einladen. ZOB und Grünraum stehen nicht nebeneinander, sondern bedingen und durchdringen sich gegenseitig. Aus den Anforderungen und Anregungen der Verkehrsplanung, der Landschaftsgestaltung und der Architektur entstehen Idee und Leitbild der Gesamtanlage. Aus der Grundform der Platzgestaltung wird die Umfahrung der Wartebereiche entwickelt, deren Abwicklungslänge sich aus der Anzahl der Bushaltepunkte ergibt. Das entstehende Thema wird in der Grüngestaltung des Platzes wieder aufgegriffen, grünräumlich adaptiert und weiterentwickelt. Der Grünraum seinerseits fließt als grüne Inseln in das Zentrum des Busbahnhofs zurück, minimiert dort die versiegelten Flächen und schafft damit eine besondere Qualität für die wartenden Fahrgäste. Die notwendigen Servicegebäude fügen sich dann sinnfällig in die entstehende Figur ein.

Bauabschnitte

Das vorgeschlagene Konzept ist bauabschnittsweise umsetzbar. Die unmittelbar drängendste Frage der ZOB kann in einem ersten Schritt unabhängig von allen weiteren Vorschlägen auf der städtischen Fläche nach dem Verfüllen der Tiefgarage und der erforderlichen Baugrundsanierung begonnen werden. Dann können die Platzgestaltung und die Überdachung folgen. Da beide Themenbereiche getrennt sind, kann in einem anderen Abschnitt zeitgleich oder in Folge der Oberhoftunnel verfüllt und der Übergang über die Bahngleise hergestellt werden. Mit der Verlegung des Bahnsteigs wird auch das Straßenprofil der Grabenstraße reduziert und das Baufeld bis zum südlichen Mobilitäts-Center baulich umgesetzt. Die Entwicklung und Kultivierung der Freizeitzone östlich der Bahn kann als weitere Maßnahme folgen. Perspektivisch stehen die Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs für bauliche Entwicklungen und Investitionen zur Verfügung. Das vorgeschlagene Dach ruht auf unregelmäßig angeordneten Stützen und besteht konstruktiv aus Beton. Es ist im Mittel zwischen 4,50m und 6,50m breit, verläuft ringförmig mit großen Aussparungen für die Belichtung und Besonnung der Grünflächen. In der Unterdecke aus farbig lasierten Holzlamellen werden die Beleuchtungselemente integriert und die Fahrgastinformationen abgehängt. Die grünen Inseln auf dem Platz und im ZOB werden topografisch leicht überformt und an ihren Rändern mit geschützten Ruhezonen und Sitzlandschaften versehen. Auf den sanften Wellen betonen Hecken die Geländebewegung und Birken wiegen sich im Wind.

Auslober: Stadt Gladbeck
Werkstattverfahren als Mehrfachbeauftragung
in Zusammenarbeit mit Werkgemeinschaft Freiraum und Runge + Küchler
Teilnahme: Januar 2014