Neubau Hauptverwaltung deutsche Rentenversicherung
Braunschweig-Hannover
in Laatzen (Hannover)

Auslober: deutsche Rentenversicherung Braunschweig – Hannover
Teilnahme: September 2009
gemeinsam mit Kuttner und Kahl Landschaftsarchitekten

Auszeichnung: Anerkennung

Situation

In dem städtebaulich heterogenen, industriell geprägten Umfeld am südlichen Rand von Laatzen soll der Neubau für die Deutsche Rentenversicherung entstehen. Er wird die bestehende  Hauptverwaltung ersetzen, die ursprünglich für 2500 Mitarbeiter konzipiert war und  heute unter energetischen, ökonomischen und flächenmäßigen Gesichtspunkten nicht mehr tragfähig ist. Der Neubau wird 1150 Mitarbeitern Platz bieten und soll mit dem neueren Verfügungsgebäude aus dem   Jahr 1996 zusammen eine Einheit bilden.

Ein wesentliches Kriterium für die Qualität des gewählten Lösungsansatzes wird es sein, dem Neubau die erforderliche Eigenständigkeit und Kraft zu vermitteln, um sich gegenüber dem Altgebäude städtebaulich behaupten zu können, ohne dabei auf Abriss des Bestandes zu zielen. Darüber hinaus soll der Neubau  so entwickelt werden, dass mit einem minimierten  „Primärenergieeinsatz“ ein Maximum an Behaglichkeit für jeden Mitarbeiter  entsteht.

Raumqualität, natürliche Belichtung und regelbare Raumtemperatur werden frei nach dem Grundsatz „ Licht, Luft und Sonne“  konzipiert.

Gebäude

Die gewählte u-förmige Gebäudestruktur des Neubaus entwickelt sich in Anlehnung und Weiterentwicklung der inneren Struktur  des Verfügungsgebäudes. Das neue u-förmige Gebäude umschließt in gleicher Weise ein Atrium, eine Halle. Der östliche Flügel des Neubaus verbindet die  neue Gesamtfigur  gedanklich zum Rechteck, lässt aber genügend Abstandsflächen zwischen Bestand und Neubau zur Belichtung der hier liegenden Bürobereiche. Der südliche Flügel entwickelt sich parallel zur Straße und streckt dadurch das Rechteck zum Rhombus unter Ausnutzung der maximalen Flächenentwicklung. Der westliche Flügel schiebt sich neugierig aus der Flucht des Verfügungsgebäudes und markiert somit deutlich die Eingangssituation, sowohl von Norden als auch von Westen vom Parkplatz kommend.

Mit seiner Überhöhung auf elf Geschosse ragt der westliche Flügel weit über die ansonsten fünfgeschossige konzipierte Gebäudefigur heraus. Hier setzt der Neubau auf Zeichenhaftigkeit. Die   „ elegante Scheibe“ behauptet sich gegenüber der massigen Dominanz des Bestandes und sieht sich als Landmarke am südlichen Ortsrand von Laatzen. Es entsteht eine Gebäudefigur, die prägnant  und zeichenhaft ist und die sich als Zusammenklang und Symbiose zwischen Alt (Verfügungsgebäude)- und Neu versteht. Der Haupteingang befindet sich im Kreuzungspunkt der nördlichen Zugangsachse mit der diagonalen Achse vom Parkplatz. Der Neubau bindet in den Obergeschossen niveaugleich an das Verfügungsgebäude an, vermittelt aber im Eingangsbereich zu den angrenzenden Terrainhöhen. So liegt der Mitarbeiterparkplatz im Südwesten auf 73.50m ü.NN, der nördliche Zugang zum Verfügungsgebäude auf 71.00m. Der Haupteingang im Neubau liegt niveaugleich zum Parkplatz auf 73.50m.

Die Eingangsplattform dient  dem Ankommenden zur Information und Übersicht und ermöglicht einen großzügigen Einblick in das fünfgeschossige Atrium. In diesem befinden sich Rampen, Stege, großzügige Treppen   und Aufzüge, um die jeweiligen Funktionsbereiche zu erreichen. Wesentlich ist hierbei, dass man alle Basismodule querungs- und störungsfrei erreichen kann, sie aber dennoch alle miteinander verbunden sind. Auf der unteren Ebene, auf Höhe des angrenzenden Terrains, befinden sich alle Gemeinschaftseinrichtungen wie das Betriebsrestaurant und die verschiedenen Besprechungsräume. Angrenzende Terrassen und Wasserflächen erhöhen die Aufenthaltsqualtät für die Nutzer.  Im Inneren lassen sich Betriebsrestaurant und Besprechungsräume für Betriebsversammlungen zusammenschalten. Die Halle mit seinen Sitz-und Loungeflächen dient als zentraler Raum der Orientierung und der internen Kommunikation – die eingehängte  Bibliothek trägt diesem Gedanken zusätzlich Rechnung.

Den größten Platzbedarf im Neubau benötigen die 18 Basismodule als Grundeinheit für  jeweils 57 Mitarbeiter. Diese sind als Dreibund konzipiert auf einem Basisraster von 1.25m x 5.20m. In der Mittelzone befinden sich alle Service-Funktionen sowie offene Besprechungsinseln. Jede Einheit ist unabhängig von anderen Einheiten zu erreichen und verfügt über  zwei  notwendige Treppenhäuser. Die Brandabschnitte liegen an den Schnittstellen der Übergänge der Basismodule. So entsteht für jede Einheit eine eigene Qualität, über die verbindenden Erschließungs-und Aufenthaltsflächen in der Halle aber auch eine gemeinsame Identität.

Die einzelnen Büros erfüllen wie gewünscht die Anforderungen nach individuell einstellbarer Behaglichkeit. Bodentiefe Verglasungen  und Sturzfreiheit im Deckenbereich sorgen für größtmöglichen Tageslichteinsatz. Öffnungsflügel in der Fassade dienen der individuellen Belüftung und der Nachtauskühlung. Ein außenliegender  drehbarer Sonnenschutz aus vertikalen Glaslamellen schützt vor Überhitzung und lässt dennoch Transparenz zu.  Die Betonkernaktivierung in den Decken  unterstützt  die Grundkühlung im Sommer und den Wärmebedarf im Winter.  So entsteht ein Haus, das sich städtebaulich exponiert und dabei dennoch kommuniziert mit dem Bestand. Es bietet seinen  Nutzern ein Höchstmass an Aufenthaltsqualitäten in den zugeordneten Rückzugs- und  Gemeinschaftsbereichen.  Es ist in der technischen Gebäudeausrüstung zurückhaltend konzipiert und bietet dabei den Nutzern ein hohes Maß an individuell steuerbarem Komfort.